Die Geschichte der Bieler Fasnachtszeitungen

Die Fasnachtsliteratur gehörte zur Bieler Fasnacht wie Masken und Bälle. Im Archiv der Bieler Faschingszunft befinden sich Dutzende von Fasnachtszeitungen, das älteste Exemplar stammt aus dem Jahr 1865.

Diese Zeitung mit dem Namen „Satanella“ wurde vermutlich von der damaligen Fasnachtsgesellschaft „Narhalla“ herausgegeben und für 30 Cents verkauft. Sie bestand aus kleineren, in Versform verfassten Beiträgen sowie dazugehörigen Illustrationen, die sich auf das lokale Geschehen bezogen und dieses mit einem kritischen Blick kommentierten.

Die zweitälteste Zeitung trug den Namen „Kosmos“ und erschien 1880. Herausgeber war der damalige „Hirsmontagsclub“. Neben Versen und Prosatexten fanden sich – wie bereits in der „Satanella“ – auch humoristische Anzeigen.

In den darauffolgenden Jahren erschienen rund 30 weitere Fasnachtszeitungen. So etwa 1898 die „Zukunftsstädtische Narrenzeitung“, ab 1902 die „Rote Laterne“ sowie später Titel wie „Carnevals Röntgenstrahlen“, „Echo vom Chräjebärg“, „Faschingia“, „Die Geister des Schüsskanals“ oder „Schwane Fritz“. Die ersten Zeitungen erschienen ausschliesslich in deutscher Sprache und nahmen keine Rücksicht auf die französischsprachige Leserschaft. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts kamen auch die welschen Fasnächtler auf ihre Rechnung – mit Zeitungen wie „Le Canard“„Le Crocodil de la Suze“ oder „La Lanterne Rouillée“.

Im Jahr 1956 erschien erstmals das „Bieler Cornichon“, das offizielle Organ der Bieler Faschingszunft. Ab 1966 war das „Cornichon“ die letzte Fasnachtszeitung in Biel; zumindest sind ab diesem Jahr keine weiteren Zeitungen mehr im Archiv erhalten geblieben. Es enthielt unter anderem Witze, Verse, Karikaturen, Umzugsprogramme sowie das offizielle Fasnachtsprogramm. Die Redaktion bestand aus Mitgliedern der Faschingszunft, produziert wurde die Zeitung vom Verlag W. Gassmann AG.

Auch das „Cornichon“ zeigte sich stets zukunftsgerichtet, wie ein Bericht aus dem Jahr 1975 über die «geplanten» Bieler Autobahnumfahrungen belegt.

Für die Fasnacht 2002 erschien Ende 2001 erstmals ein kostenloser Fasnachtsführer im kompakten Format, herausgegeben von Alain Bays und Bruno Müller. Die Auflage betrug 5’000 Exemplare. Der Fasnachtsführer wurde bis 2020 publiziert und enthielt primär Informationen zu den jeweiligen Fasnachtstagen.

Mit dem „Passe-Vite“ halten Sie nun das jüngste Kind der Bieler Fasnachtszeitungen in den Händen. Es soll die Tradition der früheren Publikationen weiterführen und sowohl unterhaltsam als auch informativ sein. Wir freuen uns, diese Zeitung veröffentlichen zu dürfen, und hoffen, dass auch sie in einem späteren Jahrhundert ihren Platz in einem karnevalistischen Rückblick finden wird.