Vorhang auf für Ruedi II – dr Zwöit!
Wenn einer weiss, wie Fasnacht funktioniert, dann Ruedi Moser – oder besser gesagt: Ruedi II, dr Zwöit! Ein Bieler durch und durch, zweisprachig, traditionsbewusst und mit jahrzehntelangem Engagement für die Fasnacht.
Seine musikalischen Wurzeln reichen zurück bis 1974, als er bei den Compagnons de la Camomille die Pauke schlug. Später führte er die Göuffi-Clique Biel als Präsident, war im Vorstand der Zunft, Jurychef, Präsident der Alten Garde und ist seit über 50 Jahren mit Herzblut dabei. Kurz gesagt: Ein Fasnächtler mit Leib und Seele.
Sein Motto: „Charivari“
„Charivari“ – das steht für Vielfalt, Lebensfreude und das, was Fasnacht ausmacht: Jede und jeder zieht an, was er mag. Ruedi II möchte alle ermutigen, mitzufeiern, sich zu verkleiden und einfach loszulassen.
„Vier Tage ohne Sorgen – sich in ein Kostüm stürzen, auf die Menschen zugehen. Mehr mitmachen, anstatt nur zu konsumieren!“
Interview mit Prinz Carnaval Ruedi II.
Ruedi II., ganz ehrlich: Erinnerst du dich an den Moment, als klar war – jetzt bist du wirklich Prinz Carnaval von Biel? War es mehr Stolz, Respekt oder ein kurzes „Uff… jetzt gibt’s kein Zurück mehr“?
Beides habe ich empfunden: Stolz und Respekt und egal was kommt, das wird auch so bleiben. Ein Zurück war bei mir jedoch noch nie Thema.
Prinz Carnaval zu sein bedeutet mehr als Krone und Applaus. Was ist für dich der wahre Kern dieses Amtes?
Ich freue mich auf die Aufgabe, dass ich die Bieler Fasnacht im In- und Ausland repräsentieren darf.
Jede Regentschaft hinterlässt Spuren. Wofür soll man sich an Ruedi II. erinnern, wenn die Fasnacht vorbei ist?Ich hoffe, dass ich als Fasnächtler wahrgenommen werde und dass meine Auftritte nachhaltig Freude bereiten werden. Ein Highlight wäre, wenn ich mit meinem Fasnachtsfieber die eine oder andere Person damit infizieren könnte.
Dein Motto lautet: „Zuschauen ist gut, mitmachen ist besser.“ Was entgegnest du all jenen, die lieber am Rand stehen als Teil des Ganzen zu sein?Nimm ein Hütchen, ein bunter Schal und eine Pappnase, es braucht so wenig, um dabei zu sein.
Und gleich danach dein klarer Appell: „Kommt verkleidet an die Fasnacht.“ Warum ist ein Kostüm für dich kein Detail, sondern ein Statement?Wer sich verkleidet, streift sein alltägliches Dasein ab, schlüpft in eine meist sich selbst fremdes Wesen hinein und gewinnt etwas an Narrenfreiheit. Es ist die Zeit des Vergessens aller Alltagssorgen, sich Freuen an und mit anderen Narren und sich treiben lassen. Unkostümierte haben an der Fasnacht nicht viel verloren. Vor allem den Jugendlichen ist es höchstwahrscheinlich egal, um welches Fest es sich handelt. Vermeintliches Herumtollen und Abschalten vom Alltag erreichen sie zwar sehr bald. Doch ihr lustiges Verhalten kommt meist vom gesellschaftlichen Druck und Zeitgeist sich dem übermässigen Konsum übelwirkender Stoffe hingeben zu müssen. Ihnen wünsche ich den Mut und die Kreativität, sich zu verkleiden und daran zu erfreuen.
Fasnacht bewegt sich immer zwischen Tradition und Zeitgeist. Wo sagst du kompromisslos „Das gehört dazu“ – und wo darf sich der Carnaval ruhig weiterentwickeln?
Für mich besteht die Fasnacht aus Masken, Kostümen, Guggenmusiken, Umzugswagen und spitzen Worten, basierend auf den traditionellen und historischen Gründen der bevorstehenden Fastenzeit. In diesem Sinne und mit dieser Vielfalt sollte eine zeitgemässe Weiterentwicklung möglich sein. Wenn sich die Fasnacht nicht mehr von anderen Festen abhebt und ausschliesslich Discomusik und Konsumverhalten gefördert wird, werde ich mein Lumpenzügli im eigenen Garten abhalten!
Gibt es einen Moment während deiner Regentschaft, der dich bisher besonders berührt oder überrascht hat? Einen, der dir gezeigt hat, warum sich dieser Einsatz lohnt?
Berührt haben mich die vielen positiven Zusprüche aus nah und fern. In diesem Ausmass hätte ich das nicht erwartet.

Humor ist Pflicht, Respekt die Basis. Wo darf gelacht werden – und wo hört für dich der Spass auf?
Lachen darf man überall und immer. Der Spass hört auf, wenn man die Pietätsgrenze und den Anstand verlässt.
Wenn du einer Person, die die Bieler Fasnacht nicht kennt, in einem Satz erklären müsstest, worum es geht – wie würde dieser Satz lauten?
Chumm cho luege, üsi Bieler Fasnacht fägt jede Tag, vom Donnschdigobe bis am Mäntigmorge!
Zum Schluss: Wenn du heute allen Besucherinnen und Besuchern etwas mit auf den Weg geben könntest – was wünschst du dir von ihnen für diese Fasnacht?
An dieser Stelle zitiere ich gerne nochmals einen Teil meiner Ansprache vom 11.11.2025, 11.11 Uhr:
„Bunt kostümiert, bien déguisé, s’isch Carneval, c’ est Charivari, super bisch ou du (u du, u du, u du) derbi!
J’ éspère u äs isch ä grosse Wunsch vo mir, dass ar Fasnacht 2026 du 19 au 22 fèvrier aui Närrinnen u Narre kostümiert dür d Bieler Strosse zieh!
Äs brucht nid viu u scho bisch chly déguisé, äs Chäppeli, ä bunte Schau u ä roti Nase sur ton nez!
Äs läbt d Bieler Fasnacht, vive le Carneval Biennois, hüt, morn und für immer!“

Prinz Carnaval
Bis zum Jahre 1958 bestand der Prinz Carneval aus einer Prinzenfigur, welche während den närrischen Tagen jeweils auf dem „Pilz“ am Zentralplatz aufgestellt wurde und als Schutzpatron über die Fasnacht wachte. An den Umzügen wurde eine ähnliche Figur auf einem Wagen mitgeführt.
Der erste „leibhaftige“ Prinz – Bruno 1er – eröffnete im 1959 die Bieler Fasnacht. Im 1975 amtete Rosemarie I. im internationalen Jahr der Frau als bisher einzige Prinzessin.
Der Prinz wird jährlich neu durch den Vorstand der Faschingszunft Biel gewählt und nimmt eine repräsentative Funktion in „seinem“ Fasnachtsjahr ein. Er wird jeweils an der Generalversammlung der Faschingszunft Biel den Narren vorgestellt.
Unsere bisherigen Prinzen ab 2005






















